Nach fast vier Jahren und knapp 40000km auf der Uhr musste die S1000R weichen, und zwar für… eine neue S1000R 🙂 Warum? Kann man etwas so Gutes noch besser machen?

Der technische Fortschritt geht auch an Motorrädern nicht vorbei und so wurde die neue S1000R Ende 2020 vorgestellt. Mehr Leistung, mehr Bums? Auf Papier erstmal nicht. Leichter ist sie geworden, und das ist bekanntlich auch mehr Leistung (F=m*a).

Optisch gefiel sie mir auf jeden Fall auf Anhieb, sie ist noch schlanker geworden (im Gegensatz zu mir 😉 ), hat ein richtiges Stubsnäschen mit LED-Technik bekommen. Sonst ist alles auf den aktuellen Stand der Zeit angehoben worden: Display, Euro 5, werksseitig Carbonfelgen möglich (vielleicht für mich im nächsten Jahr?).

Im November war der BMW-Truck bei Wilhelmsen in Oeversee zu Gast und hatte das Motorrad genau so im Gepäck dabei, wie ich sie mir gewünscht habe. Da war schon mal eine Sitzprobe angesagt ;). Eine tolle Vorstellung habe ich dann von einem BMW-Mitarbeiter bekommen, alle meine Fragen wurden beantwortet.

Alt gegen neu

Nun brach die neue Saison an und es begannen die Verhandlungen. In Neumünster habe ich ein Angebot für die alte Maschine bekommen, das unterhalb meiner Schmerzgrenze lag. Hm, schwere Entscheidung.
Liefertermin für die ersten Maschinen war ja im Mai, im meinem Fall würde das wohl eher Juni oder sogar Juli werden. Aber solange wollte ich nicht warten und nicht fahren können . Also noch die fällige Inspektion machen lassen und der Hinterreifen war auch nicht mehr der frischeste.

Da fiel mir Wilhelmsen ein, da hatte ich über Jahre mir Reifen fürs Motorrad besorgt. Das ging immer ratz fatz, kurz anrufen: „Ja, hab ich da, kannst vorbeikommen“. Halbe Stunde warten, fertig. Allerdings hatte ich diesmal keine ausgebauten Räder und so brauchte ich einen Termin. Und wenn man schon mal hier ist, kann man doch fragen, was ich für das alte Schätzchen noch bekommen würde. Fritz hat seinen Taschenrechner angeschmissen…ja der Preis sagt mir schon zu. Überraschend war, dass die Maschine in meiner Wunschkonfiguration im Zulauf war. In Rot mit Dynamik- und Comfort-Paket, mit Kurvenlicht, Notruffunktion. Der Fahrzeugbrief müsste fast im Briefkasten liegen.

Noch lange überlegen? Gleich unterschreiben? Sind ja doch ein paar Scheine, die man über den Tresen schieben muss. Aber es passte einfach alles und so habe ich mal wieder mein Ja-Wort gegeben. Selig bin ich mit neuem Hinterreifen und alter Maschine nach Hause gefahren.

Da geht sie hin

Am Mittwoch vor Himmelfahrt sollte dann die letzte Fahrt mit der S1000R 2017 stattfinden, Abgabe in Oeversee. Etwas wehmütig war ich schon, aber die Entscheidung war gefallen. Ich hatte vorher bei Wilhelmsen noch mal angerufen, ob es passt. „Ja kein Problem, komm vorbei. Der Brief für die Neue ist schon da, aber die Maschine noch nicht“. Geduld ist also gefragt.

Als ich in Oeversee auf dem Hof fuhr, wartete Goggo schon, der mich netterweise nach Hause fahren wollte. „Deine Maschine steht da schon“, tönte er. „Ja ja“ sagte ich nur: „Ich habe eben hier angerufen, Liefertermin unbekannt“ Aber Goggo hatte recht, die haben grade noch den Karton rausgetragen. Nun ging es ja doch schneller, als ich dachte. Schnell noch den Papierkram und die Zulassung kann Gas geben. Leider haben die wegen Corona die Prozesse geändert und nun dauert das richtig lange.

Aber dann kam der erlösende Anruf: „Kannst abholen“. Nun muss noch das Wetter mitspielen, ja da gibt es eine Lücke. Goggo war wieder so nett und hat mich nach Oeversee transportiert, auf dem Weg dorthin trocknete die Straße langsam ab, könnte klappen.

Fritz, der Chef himself von Motorradtechnik Wilhelmsen, gab mir die Papiere und eine kleine Einweisung in den ganzen technischen Spielkram an der Maschine. Das Nummernschild wurde noch fix montiert und schon konnte es losgehen.

Aber was ist das? Dicke schwarze Wolken 😤, eben schien doch die Sonne. Was willste machen, Mann, hat das geplattert. In Eckernförde musste ich erstmal tanken, hier war jemand geizig, egal. Hier fiel mir das Keyless-System an der S1000R auf, tolle Sache, der Schlüssel kann in der Jacke bleiben, für den Start muss man nur Knöpfchen drücken. Nur beim Tanken brauchst du den Schlüssel 🔑, what?? Bei anderen Modellen von BMW ist das auch Keyless, warum bei dieser nicht? Der Rotstift kann es nicht gewesen sein, das System ist Sonderausstattung. Verstehen tut das keiner.

Auf Tournee

Aber nun zur Einfahrtour: 1000km behutsames Fahren. Das fällt mir nicht schwer, an eine neue Maschine muss man sich auch erst gewöhnen. Als Streckenführung viel mir die Tour von 2017 ein, diesmal aber mit Calimoto, meiner Lieblingsnavi-Software geplant, hab ich ja schon viel Erfahrung mit gesammelt. Also wieder rund um Schleswig-Holstein: 805 km und 12:30 Stunden, urrgs. Also früh los und noch später nach Hause. Na, Goggo willst du mit deiner S1000XR auch mit? „Klar, sach Bescheid“. Oh, da war ich überrascht.

Nun noch Wetterbericht auswerten, das sieht nicht gut aus, aber am 23. Mai (Sonntag) kann es was werden, kühl, aber trocken.

Goggo trudelte kurz vor 9 Uhr ein und dann ging es auch los. 🤗 Erstmal Richtung Reinfeld, dann an Lübeck vorbei. Bei Süsel hat sich Calimoto verzettel und uns einmal im Kreis geschickt, egal. Nun an das Ende von Fehmarn, hier eine kleine Pause für mich und etwas Zeit für Goggo’s Nikotin-Abhängigkeit. Der Landstraßenanteil war diesmal höher als bei der letzten Einfahrtour. Das macht viel mehr Spaß, kostet aber Zeit, also fix weiter.

Bei Schönberg sah ich im Rückspiegel, dass bei Goggo’s Renner nur noch Standlicht an war. An der Tankstelle noch mal genau geschaut.. Joh, Leuchtmittel tauschen, noch was essen und trinken und weiter geht es.

Möglichst schnell durch den Moloch Kiel durch, Richtung Dänisch-Nienhof, sehr schöne Gegend. Anschließend nach Eckernförde und Waabs, ein Eldorado für Motorradfahrer.

Einmal quer durch Angeln, hier hat Calimoto ganze Arbeit geleistet, sehr schöne Strecke. Genau das Terrain für die S1000R, winklige Straßen mit ein wenig Auf und Ab, herrlich.

In Glücksburg war wieder eine kleine Pause angesagt und hier hat Goggo sich dann verabschiedet, es war ja schon recht spät und er hat ja auch lange durchgehalten. Danke an dieser Stelle für die Begleitung, hat richtig Spaß gemacht.

Nun heißt es sputen, in Handewitt noch mal an die Tanke und ein Brötchen mitnehmen, dann an die Westküste, richtig schön hier, kleine Dörfer, hübsche Häuser.

Danach ging es Richtung Süden, aber was war das kurz vor Husum, dicke dunkle Wolken 🌧, ach nö. Mir war doch schon so kalt und wie lange der Akku von meiner Heizweste halten würde, war auch nicht klar. Also was machen? Abbruch, es ist kalt, nass und es würde richtig spät werden, Schade, aber was willste machen. Auf der A7 hat es dann richtig geschüttet und ich war heilfroh, als ich zuhause war.

Nach knapp 10 Stunden und doch 684 km war der Renner immerhin fällig für die Einfahrkontrolle, es sollten ja noch knapp 100km nach Oeversee dazukommen. Ziel erreicht!

Fazit:

Die neue Maschine mit der Alten zu vergleichen hinkt ein wenig, weil die Alte nicht alt war. Die Neue ist moderner, LED-Licht, TFT-Display, Onlineverbindung, Kupplung erheblich bedienungsfreundlicher, Lenkeinschlag verbessert, etc.
Bei der Motorleistung war ich allerdings enttäuscht, die Alte hatte einen brachialen Antritt und hier war es noch nicht mal ein laues Lüftchen. Lange hab ich gerätselt was das sein könnte, es fühlte sich in jedem Fahrmodus an wie der Rainmodus, verhaltenes Ansprechverhalten, zurückgenommene Leistung. Hier liegt wohl ein Software-Problem vor (Fortsetzung folgt).
Die Tour war trotzdem schön, sehr viel Landstraße, aber durch Städte schnell durch, danke an Calimoto. Eine Wiederholung wird auf jeden Fall folgen.